Valerie Wendenburg
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Mehr als literarische Begegnungen

Erschienen im jüdischen Wochenmagazin tachles am 3. März 2023

Insgesamt 16 Literaturhäuser des deutschsprachigen Raums, auch die Häuser in Basel und Zürich, haben sich gemeinsam mit einem Appell zu Wort gemeldet. Darin weisen sie in klaren Worten darauf hin, dass Literaturvermittlung eine stärkere finanzielle Absicherung und kulturpolitische Sorgfalt braucht. Es heisst: «Ein Finanzierungskollaps der Literaturvermittlung, von Lesungen, Gesprächen und Diskussionen steht absehbar bevor.» Denn im gesamten Veranstaltungssegment Buch seien Vielfalt und Entwicklung bedroht. Auch aufgrund der massiven Kostensteigerungen in sämtlichen Bereichen sei eine wesentliche Existenzgrundlage von Autorinnen und Autoren mittelbar gefährdet

Vermittler kultureller Bildung
Auch die Literaturhäuser selbst sind stark von den erheblichen Kostensteigerungen betroffen, im Appell ist von einer «Existenzbedrohung für Literatur-Institutionen» die Rede. Einerseits verlangen Verlage und Podiumsgäste nach der Pandemie nun erheblich höhere Honorare, andererseits sind die öffentlichen Zuschüsse zumeist seit Jahren nicht mehr angepasst worden. Es heisst, die Grundsicherungen und Programmstrukturen seien gefährdet. Daher fordern die Literaturhäuser, die finanzielle Förderung von Literaturveranstaltern auszuweiten und dann zu verstetigen, um so den gewachsenen Ansprüchen und Kostensteigerungen Rechnung zu tragen. Es heisst: «Nur durch rasch einsetzende Massnahmen und Handlungsbereitschaft wird sich ein massiver Einbruch des literarischen Lebens und Kulturangebots verhindern lassen.» Gefordert wird ein klares finanzielles Bekenntnis, damit die in Deutschland, Österreich und der Schweiz so einzigartige Form des Literaturhauses ihre Vorreiterrolle für die literarische Begegnung, für Teilhabe und Dialog aufrechterhalten und weiterentwickeln kann.

Gegen Stillstand und Langeweile
Literaturveranstalter verstehen sich als Partner von Autorinnen und Autoren, als Vermittler kultureller Bildung oder als Plattform für europäische Dialoge und internationalen Austausch. Im Appell heisst es: «Alle Orte für die Begegnung mit Literatur sind unerlässlich, erst recht vor dem Hintergrund von abnehmender Lesekompetenz und mangelnder Leseförderung.» Gesa Schneider, Leiterin des Literaturhauses in Zürich sagt: «Das Literaturhaus Zürich ist Teil des Netzwerks der deutschsprachigen Literaturhäuser und trägt den Appell mit. Die Situation in der Schweiz ist noch lange nicht dramatisch, dennoch zeigt sich, dass, wenn wir jetzt nicht aufmerksam sind, es zu Stillstand und Langeweile kommen kann, da die Ressourcen für Innovation nicht vorhanden sind. Jetzt ist der Moment, selbstbewusst zu sein und etwas einzufordern. Die Literaturvermittlung muss in der nächsten Kulturbotschaft des Bundes eine grössere Rolle spielen.