Valerie Wendenburg
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Was bleibt von der Jubiläumsfeier?

Erschienen im jüdischen Wochenmagazin tachles am 2. September 2022.

Das feierliche Jubiläum «125 Jahre Erster Zionistenkongress» in Basel ist vorüber. Woran werden wir uns erinnern, abgesehen von der gespenstisch abgeschirmten und von der Armee bewachten Stadt und einer rauschenden Gala im Basler Stadtcasino? Was bleibt? Es besteht die Hoffnung, dass es ganz abseits vom offiziellen Programm der World Zionist Organization eine Annäherung zwischen der Schweiz und Israel gegeben hat, deren Positionen hinsichtlich der Nahostpolitik in der Vergangenheit eher von Divergenzen geprägt waren. Der israelische Staatspräsident Isaac Herzog dankte der Basler Bevölkerung und den Behörden im Anschluss an die Feierlichkeiten.

Die Basler Regierung selbst spricht davon, dass die Stadt weiterhin ein Ort für einen zukunftsgerichteten Dialog sein könne – in diesem Sinne hat sich der Regierungspräsident Beat Jans bereits in seiner Rede an der Gala geäussert. Die Ansprachen von ihm und Bundesrat Guy Parmelin waren die einzigen, die offene Fragen in der Nahostpolitik anrissen und somit wagten, wichtige Themen abseits der dann doch sehr einseitigen Hymnen auf den Zionismus anzusprechen. Beim sehr pathetischen und gleichzeitig pompösen Programm der WZO kam zwar als Show-Einlage ein Double von Theodor Herzl auf die Bühne. Die Chance aber wurde verpasst, reflektiert nachzuhaken, wie Herzl heute – 125 Jahre später – über Israel denken würde. Herzl, der eine Heimstätte für die Juden wünschte. Der aber davon ausging, dass Staat und Religion voneinander getrennt sein würden, auch eine Armee kam in seinen Gedanken nicht vor. Fragen wie diese wurden ausgeblendet, auch der israelisch-palästinensische Konflikt wurde von den Organisatoren nicht thematisiert.

«Die Stadt lebte die so oft gepriesene Koexistenz und Offenheit vor.»

Das Rahmenprogramm des Kantons Basel-Stadt, u.a. mit der Offenen Kirche Elisabethen in Zusammenarbeit mit swisspeace und Basel im Gespräch, war breiter angelegt; zusammen mit der Bevölkerung wurde sich bewusst mit dem Thema Zionismus und mit dem Alltag in Israel auseinandergesetzt. Dass mehrere Perspektiven, Stimmen und Vertreter veschiedener Parteien angehört wurden, ist diesen Anlässen geschuldet. Die Basler Regierung wurde im Vorfeld vielfach kritisiert, und es wurde hinterfragt, aus welchem Grund in der Stadt an einem Wochenende so viele Anlässe parallel genehmigt worden seien. Stephanie Eymann, Vorsteherin des Justiz- und Sicherheitsdepartements, erklärte im Nachgang an das Jubiläum, dass durchaus die Sorge bestanden habe, die Bevölkerung würde die Jubliäumsfeierlichkeiten zum Zionistenkongress kritischer beurteilen, wenn aus diesem Grund beliebte Feste wie zum Beispiel das Klosterbergfest oder das Seifenkistenrennen am Spalenberg abgesagt worden wären. Die Stadt bewilligte daher diverse Anlässe – auch eine Gegendemonstration zu den Jubiläumsfeierlichkeiten – und versuchte, allen Beteiligten gerecht zu werden. Die Konsequenzen waren ein hohes Sicherheitsaufkommen und eine grosse Anspannung im Vorfeld. Alle Anlässe verliefen indessen weitgehend friedlich, die Stadt lebte die so oft gepriesene Koexistenz und Offenheit somit vor, auch wenn diese in vielen Köpfen offenbar noch nicht angekommen sind – denn sonst wäre ein solch immenser Sicherheitsapparat gar nicht nötig gewesen. Nächstes Jahr feiert Israel sein 75-jähriges Bestehen. Die Schweiz und Israel haben sich vor diesem nächsten Jubiläum angenähert. Wie die Beziehungen – auch mit Blick auf Kooperationen im Bereich von Innovationen und Start-ups und auf einen engeren Austausch in der Forschung – weitergeführt werden, ist offen. In der vergangenen Woche wurde aber abseits des lauten Geschehens ein neuer Grundstein für weitere Annäherungen gelegt – etwa mit einem Wissenschaftsabkommen zwischen Israel und der Schweiz.